Nun liegt der 24-Stunden-Lauf Mäschder Drehwurm schon eine Woche zurück. Nach einer monatelangen Trainingsphase und dem entsprechenden Rennen empfinde ich eine Art Nostalgie und eine Mischung aus tiefer Zufriedenheit und etwas Traurigkeit, da es schon vorbei ist. Ich bin immer noch unfassbar glücklich mit dem Ergebnis und meiner Platzierung: 1. Dame, 3. Overall; 145,6 km und 2.810 Höhenmeter. Dann lief wohl alles reibungslos und der Lauf war einfach? Ganz im Gegenteil! Hier ein kleiner Laufbericht.
Der Mäschder Drehwurm am 10. April 2026 in Großmaischeid, organisiert von Katjas Laufzeit, bot dieses Jahr - neben 12h und 6h - zum ersten Mal die Variante 24h an. Start war um 19:00. Ich dachte, dass es einfacher wäre, bereits zu Beginn des Rennens durch die Nacht zu laufen, da man dann noch etwas frischer und konzentrierter ist. Aber das war nicht der Fall. Immerhin war ich ja auch schon einen ganzen Tag auf den Beinen und somit nicht ausgeschlafen wie bei einem Morgenstart. Die ersten 6 Stunden verliefen an sich ganz normal, doch gegen 1:00 Nachts beschloss mein Körper, genauer gesagt mein Magen-Darm-Trakt, "abzustürzen". An Kalorienzufuhr, Kohlenhydrate und sonstige Nahrung war nicht mehr zu denken. Die Bauchkrämpfe waren zeitweise richtig heftig. Ich versuchte, ganz entspannt zu bleiben. Natürlich war das unangenehm und nicht optimal, aber ich akzeptierte die momentane Situation und suchte nach einer Lösung. Und die fand ich an der Verpflegungsstelle: Kamillentee! Anstatt auf erzwungene Kalorien- und Nahrungszufuhr setzte ich meine Priorität auf die Beruhigung meines Magen-Darm-Trakts und ich trank jede Runde ein Glas Kamillentee. Ich kann Katja und Andreas nicht dankbar genug sein, dass sie an der Verpflegungsstelle heißes Wasser mit diversen Teesorten zur Verfügung stellten. Der Kamillentee rettete meine Nacht!
Nach 12 Stunden im Rennen, mittlerweile 7:00, überkam mich eine derart starke Müdigkeit, dass mir während des Laufens die Augen zufielen. Ich dachte, dass ich in meinem ganzen Leben noch nie so müde war! Ich beschloss, einen Powernap zu machen. Ich begab mich in mein Zelt, saß mich auf meinen Stuhl und zog mir den Schlafsack über den Kopf. Ich verfiel sofort in einen 8-minütigen Tiefschlaf. Dann ging es wieder raus und weiter. Die Sonne ging auf und ein wunderschöner Sonnenaufgang ließ uns in einen neuen Tag starten. Ich war noch etwas benebelt und so flog ich im hohen Bogen über einen Ast. Mein Flug muss wohl spektakulär ausgesehen haben, denn die Läufer hinter mir wollten mir zu Hilfe eilen. Aber es war alles ok und ich war endlich wieder richtig wach durch den Schrecken.
Ein neuer Tag, neue Energie... es dauerte noch eine Weile, bis mein Körper nach dieser Nacht wieder richtig fit war, aber mit jeder Stunde konnte ich mich besser in das Rennen einfügen. Die Nahrungs- und Kalorienzufuhr war jetzt auch wieder möglich, wobei ich weiterhin Tee zu mir nahm. Ich lief konstant und energiesparend, so dass ich auch zum Schluss noch immer im quasi gleichen Tempo laufen konnte und nicht zu oft zum Gehen überging. Meine Devise lautete Geduld, Zurückhaltung und Gleichmäßigkeit. Im Moment laufen, den Augenblick nutzen und sich daran erfreuen. Und genau das tat ich bis zur letzten Minute. Die zwei letzten Runden waren sogar wieder etwas schneller, da hatten mich wohl Andreas motivierende Worte sowie ein rauschender Adrenalin-Kick erwischt. Danke noch einmal an Katjas Laufzeit für diese intensiven 24 Stunden!
24 Stunden mit vielen Eindrücken, Erlebnissen, Emotionen und Gedanken. Dieser Lauf wurde durch zwei wichtige Elemente geprägt: Akzeptanz und Vertrauen. Die Dinge akzeptieren und mit den gegebenen Mitteln das Beste draus machen und nach bestmöglichen Lösungen suchen, nicht ins Negative verfallen, sondern handeln und im Moment bleiben. Und dabei auf meine Stärken vertrauen und einfach das tun, was ich am liebsten mache, nämlich sehr sehr lange laufen.
Ich glaube, ich habe mit dieser Art von Rennen genau das zu mir passende Element gefunden. Und da ist dieses Gefühl, dass ich noch ewig lang weiterlaufen könnte. Jedenfalls bin ich nach diesem Lauf erst so richtig motiviert!