ULTRA TRAIL DU MONT BLANC (UTMB)

Der UTMB in Chamonix - DAS Ziel vieler Läufer, insbesondere die 171 Km. Punkte sammeln, hartes Training und schlussendlich die Bewerbung... und je nach Distanz, das Glück, teilnehmen zu können. Für mich persönlich ist und war der UTMB nie ein besonderes Ziel, auf das ich bewusst hinsteuerte, aber ich hatte in den vergangenen Jahren genügend Punkte gesammelt, um mich für einige Strecken zu bewerben. Ich wollte eigentlich die OCC (50 Km) mitlaufen, als Vorbereitung für den UTML (112 Km). Da ich mich aber zum ersten Mal bewarb, war die Chance, einen Startplatz beim Losverfahren zu ergattern, relativ klein. Und so ging ich dann auch tatsächlich leer aus... allerdings bestand noch die Möglichkeit, einen Startplatz für die MCC (40 Km, 2500 Höhenmeter) zu bekommen, welche eigentlich für die freiwilligen Helfer organisiert wird. Bewerben konnte man sich einmalig an einem Freitag um 12 Uhr nach dem Motto "First come, first serve"... und ich war wohl früh dran und erhielt einen Platz.

 

Mein Partner Mike und ich planten dann Ende August mit dem Van nach Chamonix zu fahren und suchten uns eine schöne Strecke aus mit einem Zwischenstop auf einem Campingplatz in Gruyère in der Schweiz. Dort blieben wir dann zwei Nächte, suchten uns beide Trainingsstrecken aus, ich zum Laufen, er zum Fahrradfahren. Und dann ging es weiter nach Chamonix, wo alles im Zeichen des Ultratrails stand. Massenweise Läufer, Geschäfte mit den neuesten Lauftrends, Laufklamotten, Laufschuhen und Laufaccessoires... Menschen aus aller Welt, nur um in Chamonix am UTMB teilzunehmen. Es war schon ein besonderes Gefühl dort zu sein, auch wenn ich "nur" die Möglichkeit hatte, die 40er Distanz zu laufen. Schon alleine das Abholen der Startunterlagen fand ich spannend, denn spätestens hier wird klar: Du wirst starten!

 

Und dann war es auch soweit. Ein Bus sollte die Läufer um 7 Uhr abholen, um uns nach Martigny-Combe (Schweiz), wo sich der Start befand, zu fahren. An der Bushaltestelle merkte ich plötzlich, dass ich am Rücken nass war, was mich etwas verwunderte. Toll! Meine Trinkblase hatte ein kleines Loch und war undicht. Das ging ja schon gut los... Ich hatte zum Glück noch 2 kleine Trinkflaschen, so dass diese dann wohl reichen müssten, ein Liter Wasser gehörte ja ebenfalls zur Pflichtausrüstung. Ich musste  mich nun auf die Verpflegungsstellen verlassen. Zudem war es warm an dem Tag, um die 30 Grad wurden vorausgesagt. Ich genoss die tolle Aussicht im Bus, die schönen hügeligen Kurven und staunte... wow diese Strecke wirst du gleich laufen... ganz schön hoch!

Die Sonne stand schon über den Hügeln, als wir dann um 9 Uhr starteten. Auf den ersten 8 Kilometern bis zum Col de la Forclaz mussten bereits 900 Höhenmeter überwunden werden. Zu Beginn hatte ich etwas mit der Luft zu kämpfen, ich musste kurz pausieren, da ich irgendwie keine Luft bekommen habe, aber es ging mehreren Teilnehmern wohl so. Dann ging es die nächsten 9 Kilometer noch weitere 1000 Höhenmeter hoch, bis ich nach 17 Kilometer auf 2200 Meter am Col de Balme ankam. Ich kam mir vor wie eine Lokomotive, die sich langsam dampfend fortbewegt. Ich hatte meinen Rhythmus gefunden, mit den Laufstöcken und der Atmung. Und so kam ich voran. Die Aussicht am Col de Balme war grandios! Die meisten Höhenmeter waren nun überwunden, und nach einer kurzen Pause lief ich weiter. Ich hatte für die ersten 17 Kilometer ziemlich lang gebraucht, aber jetzt ging es schneller :-). 

Besonders blieb mir das frische, kühle Wasser auf der Strecke in Erinnerung. Da es so warm war, fühlte es sich sicher noch besser an. Einfach so das Wasser aus einer klaren Quelle schöpfen und trinken war eine richtige Wohltat. Und auch in einem Dorf, das wir durchliefen, bedienten uns die Bewohner und Zuschauer mit frischem Wasser aus einem Brunnen. Die Menschen motivierten die Läufer unheimlich, quasi jedem einzelnen wurde Beifall geklatscht und zugejubelt beim Vorbeilaufen. Sicherlich ist die tolle Stimmung beim UTMB auch auf die unglaublich motivierten und positiven Menschen zurück zu führen. 

Nach 8 Stunden erreichte ich dann Chamonix - und es ist schon ein richtig tolles Gefühl über die Finischline in Chamonix zu laufen!! Auch wenn es nach nur knapp 40km ist. Kaum vorzustellen, wie unbeschreiblich das Gefühl nach 170km sein muss! Aber ich habe ja noch viele Laufjahre vor mir und vielleicht finde ich es ja dann doch irgendwann heraus ;-) Momentan allerdings steht der UTMB nicht auf meiner Bucket List. Ich habe für mich festgestellt, dass ich mich in anderen Gegenden, Terrains und Landschaften wohler und mehr zuhause fühle. Auch wenn ich die Landschaft natürlich sehr schön fand, so sprechen mich persönlich momentan einfach andere Trails an.